Liederabend

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Musiksaal Brunnthal
Hofoldinger Str. 16
85649 Brunnthal

Frederic Jost, Bass-Bariton
Klara Hornig, Klavier

Werke von Schubert, Ullmann und Schumann

Fragile Zartheit und Feinnervigkeit des Kunstlieds

Franz Schubert hat seine letzten Lieder zu Texten von Ludwig Rellstab und Heinrich Heine komponiert. Die Sammlung wurde ein Jahr nach seinem Tod von seinem Verleger Haslinger zusammengestellt und mit dem Titel „Schwanengesang“ versehen. Die Rellstab- und die Heine-Lieder darf man jeweils als eigenständige Gruppen betrachten.Wir hören in unserem Liederabend die sieben Rellstab-Lieder aus diesem Zyklus.

Liebesbotschaft, das erste Lied steht vor allem für „Glück“(1), handelt zugleich aber auch von „Trennung“; denn die Geliebte, von der hier gesungen wird, weilt in der Ferne. Kriegers Ahnung (2) hingegen beschwört mit dem Tod ein anderes Ende der Gefühlsskala, Frühlingssehnsucht (3) und Ständchen (4) stehen für zwei verschiedene Formen von „Hoffnung“ so, wie Aufenthalt (5), In der Ferne (6) und Abschied (7) drei Aspekte von „Trennung“ thematisieren. Die Zusammenstellung der Rellstab-Lieder wirkt bei näherer Betrachtung wie eine siebenzackige Krone: in der Mitte das „Ständchen“(4), das als Solitär wie ein Juwel herausragt, umgeben von sechs Liedern, zweimal drei, die wiederum in 1 und 3 sowie 5 und 7 gegliedert sind. Diese vier Lieder haben dasselbe rhythmische Grundmuster. Die beiden 2 und 6 dazwischen sind in ihrer Radikalität etwas Besonderes in Schuberts Werk. Vor allem „In der Ferne“ strahlt Menschenverachtung und Grausamkeit aus. Keines dieser 7 Lieder kreist indessen eindeutig um das Thema Vereinigung – erfüllte Liebe hat in der Welt der späten Schubert-Lieder keinen Raum.

Quasi als Intermezzo findet sich in unserem Konzertprogramm Viktor Ullmanns „Liederbuch des Hafis“. Schon Goethe wurde durch die Lyrik des persischen Dichters Hafis beeinflusst. Aber erst die “poetischen Nachdichtungen“ orientalischer Lyrik von Hans Bethge begründeten das enorme Interesse an mythischen Texten außereuropäischer Kulturen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Er wählte für seine Nachdichtungen deftige Trinklieder, Humorvoll-Hintergründiges und Subversives aus. Ullmann vertonte diese 4 Lieder unter dem Titel „Schenkenbuch des Diwan“ zu einer Zeit, als er bereits starke Repressalien durch die Nazis, durch die er später in Ausschwitz ermordet wurde, zu ertragen hatte. Er greift auf die Modetänze seiner Zeit zurück und auch Elemente des Jazz werden genutzt, um die hintergründigen Textbotschaften zu transportieren.

Voller Liebesglück, aber auch voller Verzweiflung, Schmerz und Melancholie sind Robert Schumanns Vertonungen von 16 Gedichten von Heinrich Heine, welche Schumann unter dem Titel „Dichterliebe“ op.48 veröffentlichte. Darin durchlebt das lyrische Ich alle Höhen und Tiefen einer unglücklichen Liebe. Die Vielschichtigkeit der Texte Heines wird in Schumanns Vertonungen eindrucksvoll eingefangen. Charakteristisch für viele Heine-Vertonungen Schumanns sind die ausgedehnten Klaviernachspiele. In Opus 48 reflektieren sie das zuvor durch Wort und Musik Dargestellte und verhindern das Gefühl der Abgeschlossenheit: Leiden, Trauer und die romantische Sehnsucht nach dem Unerreichbaren verhallen im Raum, klingen im Zuhörer nach.

Frederic Jost studierte Gesang an der Hochschule für Musik und Theater München bei Michelle Breedt. Als viel gefragter Sänger ist er ein regelmäßiger Gast an den Opern in Frankfurt, Berlin und München. Er gibt auch Liederabende, u.a. 2023 sein Debut mit der Winterreise von Schubert im Pierre-Boulez-Saal in Berlin. Er ist Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden und Stipendiat der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.

Die Berliner Liedpianistin und Kammermusikerin Klara Hornig hat wegweisende Impulse von Mentoren wie Dietrich Fischer-Dieskau, Wolfram Rieger, KS Brigitte Fassbaender und Irwin Gage erhalten. Ihre Konzerttätigkeit führte sie auf renommierte Bühnen und zu Festivals. Außerdem leitet sie Liedinterpretationsklassen sowohl an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock als auch an der Universität der Künste in Berlin.

Eintritt: EUR 20 (EUR 13 für Schüler u. Studenten)
Karten: Rathaus, Münchner Str. 5, 85649 Brunnthal | Tel.: 08102/89012, Mo-Fr 8-12 Uhr | Email-Reservierung: margot.schober@brunnthal.bayern.de und an der Abendkasse.
Veranstalter: Gemeinde Brunnthal
Organisation: brunnthalerkonzerte@musiksaal.net