Minetti Quartett
Eintritt: EUR 25.- ( 13.- für Schüler und Studenten )
Karten im Rathaus Brunnthal, Münchner Str. 5
Tel. 08102/ 89013 Fr. Brandt; Mo. bis Fr. 8-12 Uhr und an der Abendkasse
E-Mail-Reservierung: veranstaltungen@brunnthal.de
Veranstalter: Gemeinde Brunnthal
Organisation: brunnthalerkonzerte@musiksaal.net
Zwischen Hoffnungslosigkeit, Mut und Lebenskraft
Das österreichische Minetti Quartett hat sich seit seiner Gründung 2003 einen festen Platz in der internationalen Streichquartettszene sichern können. Es wurde für den ECHO „Rising Stars“ 2008/09 nominiert und ist in den renommiertesten Konzertsälen und Festivals Europas zu Gast. Tourneen führen es nach Australien, Asien, Nord- und Südamerika. Viele Konzerte werden von Rundfunkanstalten aufgezeichnet und gesendet. Das Minetti Quartett ist Preisträger mehrerer internationaler Kammermusikwettbewerbe. Ihm wurde außerdem der „Große Gradus ad Parnassum Preis“, das Startstipendium des österreichischen Bundesministeriums sowie das Karajan-Stipendium verliehen.
Villa Musica schreibt teilweise in folgendem Text:
Am Sylvestertag von 1782 vollendete Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) in Wien sein G-Dur- Streichquartett KV 387. Es war der letzte Tag eines Jahres, das am 13. Januar mit der Uraufführung von Schillers „Räuber“ symbolträchtig begonnen hatte. Die beiden Werke umrahmen damit ein Schicksalsjahr der Klassik, das den Durchbruch einer jungen Künstlergeneration in der Pfalz (Schiller hielt sich dort für einige Wochen auf der Flucht auf), in Weimar (Goethe mit „Erlkönig“) und Wien zum klassischen Stil begonnen hatte. In diesem Zusammenhang muss man Mozarts KV 387 hören: als musikalisches Pendant zum dichterischen Höhenflug eines neuen Zeitalters. So bleibt am Beginn der Durchführung des 1. Satzes der melodische Schwung immer wieder stecken, changierend zwischen Zuversicht und Zweifel, mit Schillers Dramenfiguren vergleichbar. Die gleichsam gestische Sprache der einzelnen Phrasen verleiht dem Thema des 1. Satzes eine überaus sprechende, ausdrucksvolle Note. Im Menuett zeigt Mozart jetzt seinen Hang zu zeichnerischen, sprechenden Linien, aber so gar nicht mehr zur höfischen Eleganz, wie es früher bei ihm der Fall gewesen war. Beim Andante cantabile entspinnt sich in seinem späteren Verlauf ein wunderbarer Dialog im singend-erfüllten Kontrapunkt der 4 Stimmen. Beim 4. Satz verwundert er einen auf Grund des Beginns mit einem eher kirchlich-gelehrten Kontrapunkt, winkt aber bald in den Stil einer lustigen Opera buffa ab. So geht es ständig ein wenig gelehrt, aber auch augenzwinkernd jubelnd zu, bis er sich zum Schluss des Satzes ganz leise davonschleicht und so tut, als ob nichts gewesen wäre.
Der Prager Komponist Erwin Schulhoff (1894-1942), der als Expressionist begonnen und sich über die Neue Wiener Schule und den Dadaismus zu dem meist beachteten Vertreter der tschechischen Moderne entwickelt hatte, offenbart in fast jedem Werk eine unverwechselbare Originalität. Seine an seinen französischen Kollegen Darius Milhaud gerichtete Widmung der Fünf Stücke für Streichquartett verrät, worum es ihm hier ging: prägnante Kürze der Sätze, suitenhafte Reihung und eine freche Musik am Puls der Zeit.
Franz Schuberts (1797-1828) Quartett d-Moll D 810 („Der Tod und das Mädchen“) kann man nicht mehr der Wiener Klassik mit ihrer starken Ausrichtung auf die Darstellung der Form und brillanten Beredsamkeit, die die Öffentlichkeit zum Staunen bringt, aber auch noch nicht mit der Moderne, die u.a. eine Auflösung der Tonalität und Kritik an den bürgerlichen Moden gepflegt hat, zurechnen. Es ist ein überragendes Werk mit einer tief persönlichen Aussage, wie sie in der Romantik häufig vorherrscht. In diesem Sinne umspannt es wie auch Schuberts „Winterreise“ die gesamte romantische Epoche. Eine wilde und erschütternde Musik! Der 1. Satz bewegt sich zwischen dem leidenschaftlichen Moll des Hauptthemas und der süßlichen Traumwelt des Seitenthemas in Dur. Während die Idyllen des Seitenthemas immer wieder in den Halbschatten eines Dur-Moll geraten und das triolische Motiv des Hauptthemas sich seinen Weg aus der Tiefe ins grelle Licht bahnt: all das gehört zu den spannungs-vollsten Momenten in der Geschichte des Streichquartetts überhaupt. Die wesenlose und in sich gekehrte Melodie des ebenfalls von Schubert stammenden Lieds „Der Tod und das Mädchen“ durchzieht das Variationsthema des 2. Satzes. Es wirkt hoffnungsvoll, aber letztlich doch entsagend, als wolle es uns mitteilen, dass das Leben zwar schön sei, aber begrenzt, und dass wir es nicht in der Hand haben. Das Scherzo knüpft an die Klangballungen des 1. Satzes an und der 4. Satz reißt einen mit seinem beißend-virtuosen Tanz vom Hocker.